Warum die Nachfrage nach PV-Anlagen das Installationsvolumen vieler Betriebe sprengt

Warum die Nachfrage nach PV-Anlagen das Installationsvolumen vieler Betriebe sprengt

Aktuell liegen die Wartezeiten eines Installationstermins für eine PV-Anlage bei einem Jahr – nicht weil die Betriebe keine Aufträge wollen, sondern weil die Kapazität schlicht nicht reicht. Das strukturelle Ungleichgewicht zwischen PV-Nachfrage und Installationskapazität ist kein Ausnahmefall. Hier erfahren Sie, was PV-Installationsbetriebe in 2026 bremst.

🔍 Das Wichtigste im Überblick

  • Deutschland installierte 2025 rund 16,4 GW neue Solarleistung – der PV-Markt bleibt strukturell hoch.
  • Rund die Hälfte der SHK-Betriebe meldet offene Stellen – Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Wachstumshemmnis.
  • Moderne PV-Systeme mit Speicher, Wallbox und Wärmepumpenanbindung verlangen deutlich mehr Planungsaufwand pro Projekt.
  • Ohne digitale Werkzeuge verlieren PV-Betriebe bis zu 8 Stunden Arbeitszeit pro Projekt an manuelle Prozesse.
  • Wer Planung, Angebotserstellung und Dokumentation digitalisiert, kann mit der gleichen Mannschaft mehr Projekte abwickeln.

Warum reicht die Kapazität vieler Installationsbetriebe trotz stabiler PV-Nachfrage nicht aus?

Das Problem liegt hauptsächlich am Fachkräftemangel. Die Zahl der verfügbaren Fachkräfte wächst nicht annähernd so schnell wie die Nachfrage. Der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) meldet rund 80.000 gesuchte Stellen im E-Handwerk (ZVEH, 2025). Gleichzeitig berichtet der ZVSHK für die rund 48.000 SHK-Betriebe mit ihren 390.000 Beschäftigten, dass rund die Hälfte offene Stellen meldet – der Fachkräftemangel bleibt ein strukturelles Wachstumshemmnis (ZVSHK, 2026). Hinzu kommt: Jedes PV-Projekt verlangt heute mehr Zeit als noch vor ein paar Jahren. Speicher, Wallbox, Wärmepumpenanbindung, HEMS (Home Energy Management System), dynamische Stromtarife – jede Zusatzkomponente erweitert die Planungsanforderungen. Wer mehr Projekte realisieren will, kommt nur über zwei Wege dahin: mehr Personal oder effizientere Prozesse.

Wie viel Zeit kostet die manuelle Planung einer PV-Anlage?

Mehr als die meisten Betriebe bewusst einkalkulieren. Ohne eine zentrale digitale Plattform kann ein einzelnes PV-Projekt bis zu 8 Stunden manuellen Aufwand bedeuten (Bitkom, zitiert in openHandwerk, 2024): Dachaufnahme und Vermessung, Verschattungsanalyse, Modulbelegungsplanung, Wirtschaftlichkeitsberechnung, Angebotserstellung. Jeder dieser Schritte läuft in vielen Betrieben noch isoliert – in unterschiedlichen Tools, Tabellen oder sogar auf Papier. Eine ZDH-Studie ergänzt das Bild: Mittelständische Handwerksbetriebe verlieren jährlich bis zu 20 Prozent ihres möglichen Umsatzes durch manuelle Abläufe (ZDH, zitiert in openHandwerk, 2024). Für einen Betrieb, der 50 PV-Projekte pro Jahr bearbeitet, bedeutet das: Hunderte Stunden, die nicht in Installation fließen, sondern in Büroarbeit.

Warum ist der Planungsaufwand pro PV-Projekt in den letzten Jahren gestiegen?

Drei Entwicklungen haben den Aufwand pro Anlage spürbar erhöht:

  • Systemkomplexität durch Energiemanagement: Früher bestand eine PV-Anlage aus Modulen, Wechselrichter und Einspeisevertrag. Heute verlangen Kunden zunehmend integrierte Systeme: Batteriespeicher, Wallbox, Wärmepumpenanbindung. Alle Komponenten müssen kommunizieren – und jede Schnittstelle muss geplant, kalkuliert und dokumentiert werden.
  • Gestiegene Anforderungen an Wirtschaftlichkeitsnachweise: Gewerbliche Kunden wollen Amortisationsberechnungen, Eigenverbrauchsquoten und Renditeprognosen, bevor sie unterschreiben. Was früher eine grobe Überschlagsrechnung war, ist heute ein mehrseitiges Dokument.
  • Neue regulatorische Pflichten: Seit Februar 2025 ist die Zerez-Registrierung für PV-Anlagen verpflichtend (ekozet-rek.de, 2025). Netzanmeldung, Marktstammdatenregister, Inbetriebnahmeprotokoll – jede Anlage bringt einen eigenen administrativen Aufwand mit.

Welche Folgen hat der Fachkräftemangel für PV-Installationsbetriebe konkret?

Der Fachkräftemangel trifft PV-Installationsbetriebe auf zwei Ebenen gleichzeitig. Auf der operativen Ebene fehlen Techniker, die Anlagen tatsächlich installieren. Im SHK-Bereich waren 2025 lediglich 40.770 Auszubildende im Beruf Anlagenmechaniker SHK registriert – ein Zuwachs von nur 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr (ZVSHK, 2026). Gemessen am Bedarf ist das zu wenig. Auf der strategischen Ebene droht eine gefährliche Abwärtsspirale: Der ZVEH warnt ausdrücklich, dass Betriebe, die wegen nachlassender Nachfrage auf andere Geschäftsfelder ausweichen, als Fachkräftereservoir verloren gehen. Hauptgeschäftsführer Alexander Neuhäuser formulierte es deutlich: „Wenn sich die Rückgänge verfestigen, werden sich auch die Installationsbetriebe auf andere Geschäftsfelder verlegen. Soll dann der PV-Sektor irgendwann wieder hochgefahren werden, fehlt es an Fachkräften." (ZVEH, 2025) Bereits 2022 und 2023, als die PV-Nachfrage explodierte, warteten viele Kunden sechs bis zwölf Monate auf einen Installationstermin. 63 Prozent der Installateure und Händler berichteten damals von Wartezeiten über drei Monate – nicht weil Aufträge fehlten, sondern weil Kapazitäten fehlten (photovoltaik.info, 2022/2023). Sollte die Nachfrage erneut anziehen, steht die Branche vor derselben Situation.

Wie entwickelt sich der PV-Markt, und was bedeutet das für Installationsbetriebe?

Der PV-Markt in Deutschland hat in den letzten Jahren erheblich an Volumen gewonnen. Ende 2025 waren auf deutschen Dächern rund 4,8 Millionen Solaranlagen installiert (Statistisches Bundesamt, 2025), mit einer Gesamtleistung von 117 GW (Bundesnetzagentur, 2026). Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung:

Jahr Neu installierte Leistung (GW) Dachanlagen / Fassadenanlagen (Stück)
2023~14,6750.000
2024~15,9630.000
2025~16,4[PRÜFEN: Stückzahl Dachanlagen 2025 ausstehend]

Zwei Verschiebungen prägen 2025 das Bild: Freiflächenanlagen haben mit rund 8,2 GW erstmals Dachanlagen (7,8 GW) überholt (Bundesnetzagentur, 2026). Gleichzeitig ist der private Einfamilienhausmarkt – das Kerngeschäft vieler Handwerksbetriebe – im Vergleich zu 2023 um knapp 28 Prozent eingebrochen (BSW-Solar, zitiert in ZVEH, 2025). Für Installationsbetriebe bedeutet das: Das Gesamtvolumen bleibt historisch hoch, doch das Kundensegment verschiebt sich. Wer ausschließlich auf Einfamilienhäuser setzt, spürt den Rückgang. Wer auch gewerbliche Dachanlagen und Mehrfamilienhäuser bedienen kann, findet weiterhin volle Auftragsbücher – und wer seine Planungsprozesse digitalisiert hat, kann beides effizienter abbilden.

Wie können Installationsbetriebe trotz Kapazitätsgrenzen mehr PV-Projekte realisieren?

Die Antwort liegt nicht zwingend in mehr Personal, sondern in weniger Aufwand pro Projekt. Drei Ansätze helfen dabei konkret:

  • Planungsschritte zusammenführen: Wer Dachaufnahme, Verschattungsanalyse, Modulbelegung, Wirtschaftlichkeitsberechnung und Angebotserstellung in einer einzigen Plattform abbildet, eliminiert Systemwechsel, Übertragungsfehler und doppelten Datenpflegeaufwand.
  • Angebote schneller erzeugen: Digitalisierte Angebotsprozesse reduzieren den manuellen Aufwand von mehreren Stunden auf einen Bruchteil. Wer mehr Angebote pro Woche stellt, erhöht seine Abschlussquote – selbst bei gleichbleibender Konversionsrate.
  • Administrative Aufgaben zentralisieren: Netzanmeldung, Baudokumentation und Inbetriebnahmeprotokolle lassen sich mit der richtigen Software direkt aus dem Projektverlauf heraus erledigen – statt als separater Schritt im Nachgang.

Fazit: Die Kapazitätsfrage ist eine Prozessfrage

Das eigentliche Problem ist nicht die PV-Nachfrage – sie bleibt strukturell hoch. Der Engpass sind die Stunden, die pro Projekt in manuellen Planungs- und Büroprozessen verschwinden. Wer diese Stunden zurückgewinnt, schafft echte Kapazität. Nicht durch mehr Personal, sondern durch weniger Aufwand pro Auftrag.

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💬 FAQs

Was verursacht den Fachkräftemangel bei PV-Installateuren?

Der Fachkräftemangel ist strukturell: Die Ausbildungszahlen steigen langsam, während die Nachfrage nach PV-Installationen historisch hoch ist. Hinzu kommt, dass PV-Kenntnisse eine Zusatzqualifikation darstellen – nicht jeder SHK- oder Elektrobetrieb ist automatisch für die komplexen Systeminstallationen der neuen Generation ausgebildet.

Wie lange dauert die Installation einer PV-Anlage im Durchschnitt?

Die reine Montage eines Einfamilienhaus-Systems dauert je nach Größe ein bis drei Tage. Der weitaus größere Zeitaufwand liegt im Vorfeld: Planung, Angebotserstellung und Netzanmeldung können – ohne digitale Unterstützung – mehrere Arbeitstage in Anspruch nehmen.

Lohnt sich der Einsatz einer Planungssoftware für kleinere Betriebe?

Gerade für kleine Betriebe ist der Effizienzgewinn entscheidend: Wer mit wenigen Mitarbeitern arbeitet, kann sich keine Stunden an manueller Planungsarbeit pro Projekt leisten. Planungssoftware reduziert den Aufwand, verkürzt Angebotszeiten und erhöht die Abschlusswahrscheinlichkeit – das wirkt sich direkt auf den Umsatz aus.

Wie viele PV-Anlagen werden in Deutschland pro Jahr installiert?

Im Jahr 2025 wurden laut Bundesnetzagentur rund 16,4 GW neue Photovoltaikleistung in Deutschland installiert. Ende 2025 waren insgesamt rund 4,8 Millionen Solaranlagen in Betrieb, mit einer kumulierten Gesamtleistung von 117 GW.

Welche Qualifikationen benötigen Mitarbeiter für PV-Installationen?

Elektroinstallationen an PV-Anlagen dürfen in Deutschland nur konzessionierte Elektrofachbetriebe durchführen. Hinzu kommen zunehmend Kenntnisse in Energiemanagementsystemen, Batteriespeichern und Wallbox-Integration – Bereiche, die noch nicht in allen Ausbildungsprogrammen standardmäßig abgedeckt sind.

Wie können Installationsbetriebe den administrativen Aufwand bei PV-Projekten reduzieren?

Der größte Hebel ist die Digitalisierung: Netzanmeldung, Marktstammdatenregistrierung und Baudokumentation lassen sich mit der richtigen Software direkt aus dem Projektablauf heraus erledigen. Wer diese Schritte noch manuell und separat abarbeitet, verliert mehrere Stunden pro Projekt.

Was bedeutet die Zerez-Registrierungspflicht ab 2025 für Installationsbetriebe?

Seit Februar 2025 müssen alle neu installierten PV-Anlagen zusätzlich zur Marktstammdatenregistrierung auch Zerez-IDs der verbauten Komponenten einpflegen. Das erhöht den Dokumentationsaufwand pro Anlage. Installationsbetriebe, die diesen Schritt in ihre digitalen Prozesse integrieren, sparen gegenüber manueller Nachbearbeitung spürbar Zeit.

Wie hat sich die Systemkomplexität bei PV-Anlagen in den letzten Jahren verändert?

Der Trend geht eindeutig Richtung integrierte Energiesysteme: Photovoltaik allein genügt Kunden immer seltener – sie wollen Batteriespeicher, Wallbox und Wärmepumpenanbindung in einem Paket. Jede Zusatzkomponente erhöht den Planungsaufwand, weil Schnittstellen, Kompatibilität und Wirtschaftlichkeit vollständig durchdacht und dokumentiert werden müssen.

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